Coronaimpfstoffe

 

Welche Impfstoffe gibt es?

  • Biontech/Pfizer (Comirnaty) : mRNA Impfstoff; 2 Dosen, 3-6 Wochen Abstand, Wirksamkeit  95%; Zulassungsstudie mit 44.000 Probanden, Zulassung in den USA und Großbritannien ab November 2020, EMA Zulassung in EU Staaten seit Dezember 2020.   Zulassung ab 12 Jahren.
  • Moderna: mRNA Impfstoff; 2 Dosen, 4-6 Wochen Abstand, Wirksamkeit 94,5%; EMA Zulassung ab 6.1.2021. Zulassung ab 12 Jahren.
  •  AstraZenca/Oxford (Vaxzevra): Vektorimpfstoff; 2 Dosen, 4-12 Wochen Abstand, Wirksamkeit ca. 80% gegen Infektion; Schutz vor schwer verlaufendem Covid-19 und Tod bis 100%; EMA Zulassung seit Ende Jänner 2021.
  • Janssen Pharmaceutica NV ( Johnson & Johnson) : Vektorimpfstoff; 1 Dosis; Wirksamkeit 85% gegen schwere Erkrankungen, EMA Zulassung seit März 2021
  • Curevac: mRNA Impfstoff; 2 Dosen, 4 Wochen Abstand; Zulassung vermutlich 2021.
  • Sanofi-GSK: Protein-Subunit Impfstoff; 2 Dosen,  4 Wochen Abstand; Zulassung vermutlich 2021.
  • Mehrere andere Impfstoffe wurden bereits außerhalb Europas zugelassen und werden bereits im großen Stil verimpft. Auch für Europa werden mehrere weitere Impfstoffzulassungen für 2021 erwartet.

Wann wird wer geimpft?

Es gibt für Österreich einen Stufenplan, ab wann welche Personengruppen geimpft werden sollen. Ab 27. Dezember 2020 werden zuerst Bewohner von Pflege-und Altenbetreuungseinrichtungen sowie das dortige Personal geimpft. Als nächste Gruppen wurden im 1. Quartal 2021 Hochrisikopatienten, betagte Menschen und Gesundheitspersonal geimpft werden. Ab dem 2. Quartal 2021 sind Impfstoffe für weitere (Alters-)Gruppen, die sich impfen lassen wollen, zur Verfügung. Ab Ende April /Anfang Mai werden Impfungen auch in Wiener Ordinationen durchgeführt, wenn die Impfstoffe von der Stadt Wien für Ordinationen bereitgestellt werden.

 

Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen der Impfung sind zu erwarten?

Wie bei allen Impfstoffen gibt es auch bei den Coronaimpfstoffen Impfreaktionen. Besonders bei der 2. Impfung (Biontech und Moderna) und der ersten Impfung (Astra Zeneca) treten häufig meist leichte lokale Schmerzen, Schwellungen und Rötungen an der Impfstelle auf. Ebenso werden häufig Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Muskel-oder Kopfschmerzen oder ein „grippiges Gefühl“ verzeichnet. Diese Zeichen einer Reaktion des Immunsystems auf eine Impfung treten vermehrt bei Jüngeren auf und klingen nach 1-3 Tagen wieder ab. Bei Bedarf kann man Paracetamol ( Mexalen) einnehmen. Extrem selten treten allergische Reaktionen auf die Impfung auf (11 von 1.000.000bei Biontech/Pfizer). Besonders bei schweren Allergikern, die bereits schwere allergische Reaktionen hinter sich haben und bei einer Allergie gegen Inhaltsstoffe des Impfstoffes (auf Polyethylenglykol (Macrogol)bei Biontech/Pfizer) ist Vorsicht geboten. Häufige auftretende Pollenallergien, Hausstauballergien und Allergien gegen einzelne Medikamente sind kein Grund, auf die Impfung zu verzichten. Die beim Astra Zenecaimpfstoff vieldiskutierte Thrombosegefahr ist nur unwesentlich höher als in der Allgemeinbevölkerung, allerdings ist das Risiko einer Hirnvenenthrombose (Sinusvenen) mit 1,5: 100000 etwas erhöht.

 

Wer soll nicht geimpft werden?

Die Impfung ist derzeit nicht für Schwangere, da für diese Gruppen noch keine endgültigen Studiendaten vorliegen, zugelassen. Auch bestehen für jeden Impfstoff verschiedene Altersbeschränkungen für Kinder und Jungendliche. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna ist mittlerweile ab 12 Jahren zugelassen. Auch bei Menschen, bei denen eine Allergie gegen Polyethylenglykol (ist in vielen Kosmetika, Abführmitteln, Weichmachern, ect.  enthalten)  bekannt ist (bei Biontech/Pfizer Impfstoff) oder in der Vergangenheit bereits schwerste allergische Reaktionen- besonders auf Impfungen- aufgetreten sind, die mit Adrenalin behandelt werden mussten, ist eine Impfung nicht bzw. unter höchster Vorsicht empfohlen. Wenn Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem unterdrücken, soll mit dem behandelnden Arzt der ideale Impfzeitpunkt besprochen werden um ein höchstmögliches Ansprechen auf die Impfung zu gewährleisten.

 

Sind die Impfstoffe sicher? Gibt es Langzeitfolgen?

Da alle zugelassenen Impfstoffe strenge Zulassungskriterien erfüllen müssen, kann man davon ausgehen, dass die Impfstoffe sicher sind.  Die Zulassungsstudien mussten korrekt durchgeführt werden und wurden von hochrangigen Wissenschaftlern streng geprüft. Auch wurden die Studien mit besonders vielen Probanden durchgeführt. Dass im Vergleich zu früheren Impfstoffentwicklungen sehr schnell neue Impfstoffe zur Verfügung standen, ist dem Umstand zu verdanken, dass besonders hohe Geldmittel für die Entwicklung zur Verfügung stehen, dass sich sehr viele freiwillige Studienteilnehmer zur Verfügung gestellt haben, dass die Krankheit in der ganzen Welt eine hohe Verbreitung zeigt und daher die Wirksamkeit der Impfung rasch nachgewiesen werden konnte und dass die bürokratischen Prozesse deutlich beschleunigt wurden. Ob es Langzeitfolgen der Impfungen geben wird, ist derzeit natürlich noch nicht voraussehbar. Es ist aber bekannt, dass nahezu alle Impfnebenwirkungen sofort oder innerhalb der ersten 6 Wochen auftreten.  Sehr selten tritt das sogenannte VITT vor allem bei unter 50 Jährigen nach Impfungen mit Vektorimpfstoffen (z.B. Astra Zeneca, Janssen) auf (ca. 1:200.000). Dabei kommt es zu vermehrten Thrombosen, auch an ungewöhnlichen Stellen (Sinusvenenthrombosen, Thrombosen von Bauchvenen ). Bei über 3-5 Tagen anhaltenden oder zunehmenden starken Kopfschmerzen, starken Bauchschmerzen, Beinschwellungen oder Atemnot nach einer Impfung lassen Sie sich ärztlich abklären.  Nachdem Impfstoffe in den Zulassungsstudien und weltweit bereits großflächig eingesetzt werden und bereits  mehrere Millionen Menschen geimpft wurden (Mitte Jänner 2021 bereits über 40 Mio. Geimpfte) gibt es schon viel Erfahrung, auch mit der Diagnostik und Behandlung von seltenen Nebenwirkungen.

       

Soll ich mich impfen lassen?

Im Hinblick auf die hochansteckenden Coronamutationen empfehle ich die Impfung dringend, da die Alternative die Krankheit durchzumachen ist und Sie dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch anderen gefährden. Ich selbst und mein Team sind als Gesundheitspersonal selbstverständlich geimpft um uns selbst, unsere Patienten und unsere privaten Kontaktpersonen zu schützen. Bedenken Sie, dass

  • dieses Coronavirus  nicht verschwinden wird. Wir werden in Zukunft damit leben müssen.
  • durch Mutationen eine höhere Ansteckungsgefahr besteht und sich daher höchstwahrscheinlich jeder Nichtgeimpfte in absehbarer Zeit anstecken wird. Die hochansteckende Deltavariante des Coronavirus ist mittlerweile dominierend in Österreich.  Alle derzeit zugelassenen Impfstoffe wirken gegen die Deltavariante (leider ist die Wirksamkeit der Impfstoffe aber reduziert, ein Schutz vor tödlichen Verläufen ist aber weiterhin vorhanden).
  • COVID-19 immer wieder schwere Verläufe zeigt und viele Menschen daran sterben. 15-20 Prozent der Infizierten mit B117 müssen ins Spital. 
  • COVID-19 Erkrankte (auch leichte Verläufe) manchmal (einer von 10) unter langfristigen Schäden (Long COVID) leiden, die länger als 2 Monate andauern und beispielsweise neurologische Schäden und Lungenschäden oder Erschöpfungssymptome beinhalten.
  • nur Geimpfte vor schweren und tödlichen Verläufen geschützt sind. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass andere Geimpfte eine Herdenimmunität aufbauen, da auch Geimpfte -wenn auch deutlich seltener- erkranken und das Virus übertragen können. Trotzdem scheiden Geimpfte, die erkranken, weniger Viren aus und sind daher WENIGER ansteckend als Ungeimpfte.
  • ein annähernd normales Leben wie vor der Pandemie nur durch die Impfung möglich wird.
  • eine weitere Coronawelle hauptsächlich Ungeimpfte treffen wird. Mutationen entstehen vor allem dann, wenn viele Menschen die Erkrankung durchmachen. Derzeit sind etwa 95% der Patientin auf den Intensivstationen nicht oder nicht vollständig geimpft!